Extra Hungariam non est vita, et si est vita, non est ita.

Etwa 15 Millionen Menschen leben heute auf der Welt, die sich selbst als Ungarn bezeichnen. Von den 15 Millionen leben aber nur 2/3 im eigenen Land, in Ungarn, die restlichen 5 Millionen leben zumeist in den Nachbarländern, auf Gebieten die ehemals zu Ungarn gehörten.

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Seit dem Jahre 896 ist das Karpaten-Becken vom ungarischen Volk besiedelt. Sie kamen unter der Führung von Árpád, um das Land Attilas, das Erbe der Hunnen, in Besitz zu nehmen. Im Jahre 1001 wurde der erste König, Stephan der Heilige, gekrönt. Er christianisierte das Land und machte es zum östlichsten Bollwerk des Christentums gegen die angreifenden Stämme des Ostens.

Im Jahre
1241 kam es zum Mongolensturm. Die mongolischen Horden unter der Führung Dschingis Chans verwüsteten das Land völlig. Sie wurden jedoch aufgehalten und zogen nicht weiter gegen Westen. Nach einem Jahr zogen sie wieder ab. Niemand glaubte daran, das sich das Volk wieder von diesem Schlag erholen wird.

Es folgte jedoch eine Zeit großer Könige, Ungarn wurde zur bedeutendsten Macht Mitteleuropas.

1526 erfolgte eine vernichtende Niederlage des ungarischen Heeres in der Schlacht von Mohács gegen die Türken. Es stand ihnen nichts mehr im Wege um in das Land einzufallen. Das Land wurde in 3 Teile geteilt. Der Westen und der Norden Ungarns kam unter Österreichische Herrschaft, die schon immer darauf besessen waren, Ungarn zu erobern. Die Mitte und der Süden des Landes, zusammen mit Kroatien, das schon seit dem 12. Jahrhundert ein Land der ungarischen Krone war, wurde von den Türken besetzt. Alleine der Osten des Landes, Siebenbürgen (Transsylvanien), wurde von ungarischen Herrschern regiert. Hier entstand eine Zuflucht der ungarischen Kultur, die in den übrigen Landesteilen nun vollständig unterdrückt war.

Nach 150 Jahren wurden die Türken aus Ungarn herausgedrängt. Da die Bevölkerung weitgehend ausgerottet war, siedelten die österreichischen Eroberer Deutsche in Ungarn an, die sogenannten Donauschwaben.

1703 versuchte das ungarische Volk unter der Führung von Ferenc Rákóczi dem II., dem Prinzen von Siebenbürgen, seine Freiheit wiederzuerlangen. Der Freiheitskampf endete 1711 erfolglos, nachdem die versprochene französische und englische Hilfe ausgeblieben war.

Im März
1848 brach, wie in anderen Staaten Europas, auch in Ungarn eine Revolution aus, das sehr bald zum erneuten Freiheitskampf gegen die Österreicher führte. Dieser Freiheitskampf wurde 1849 mit Russischer Hilfe von Österreich blutig niedergeschlagen.

Nachdem sich die Österreichischen Besatzer ausgetobt hatten, kam es
1867 zu einem Kompromiss, dem sogenanntem Ausgleich zwischen beiden Ländern. Das Kaiser- und Königreich Österreich-Ungarn wurde gegründet.

1914 wurde Ungarn von Österreich in den ersten Weltkrieg mit hineingezogen. Die ungarische Regierung betonte jedoch, das Ungarn keinerlei fremde Gebiete erobern und annektiern will.

1918 endete der 1. Weltkrieg mit der Niederlage der Mittelmächte, zu denen auch das Königreich Ungarn gehörte. Jetzt begann der Krieg auf Ungarischem Boden. Die Nachbarländer sahen die Gelegenheit vom geschwächtem Land große Stücke herauszureißen.

4. Juni 1920. Trianon. Eine nationale Tragödie, dass dieser Name in der ungarischen Geschichte auftauchen musste. Hier, in diesem Lustschloss in Versailles wurde der Friedensvertrag mit den Siegermächten und deren Verbündeten unterschrieben. Hier wurde ein Land in Stücke gerissen, dass bereits mehr als 1000 Jahre da war, ein Land, dessen Grenzen sich 1000 Jahre nicht und wenn doch, dann nur kurzzeitig geändert haben. Ein Land, das den Rest von Europa 1000 Jahre lang von den angreifenden Stämmen des Ostens beschützt hat. Mit dem Vorwand, das Königreich Ungarn wäre ein Vielvölkerstaat, wurden künstliche Staaten erschaffen, ohne jede Gemeinsamkeit, ohne jede historische Grundlage. Die neugegründete Tschechoslowakei, ein Vielvölkerstaat, erhielt Oberungarn, das neugegründete Jugoslawien, ein Vielvölkerstaat, Südungarn. Diese Staaten gibt es heute nicht mehr. Sie bestanden keine 80 Jahre. Rumänien bekam Siebenbürgen und Ostungarn. Allein diese Gebiete, die Rumänien erhielt, sind größer, wie das heutige Ungarn. Selbst Österreich, das Ungarn in den Krieg gezogen hat, bekam etwas: Westungarn, das heutige Burgenland. Überall lebten nun millionen Ungarn in der Minderheit. Die 14 Punkte Wilsons, das Recht der Völker auf freie Selbstbestimmung wurde in Trianon vollständig ignoriert.

Zwischen den Weltkriegen versuchte die politische Führung die verlorenen Gebiete zurückzugewinnen. Da sich die angrenzenden Länder Rumänien, Jugoslawien und die Tschechoslowakei aus Angst vor Revisionsansprüchen Ungarns zur sogenannten kleinen Entente unter Französischem Schutz zusammenschlossen und das Land isolierten, sah die Ungarische Führung nur eine Möglichkeit, die gestreckten Ziele zu verwirklichen. Ein Bündnis mit Hitler-Deutschland und dem faschistischen Italien. Zunächst war dies auch erfolgreich. Am 2. 11. 1938 bekam Ungarn ein Teil Ober-Ungarns zurück. 12 400 km² und 1 100 000 Menschen, ein großer Teil ungarischer Nationalität, wurden im ersten Wiener Schiedsspruch dem Land zugesprochen. Am 23. 3. 1939, kurz nach der Zerstückelung der Tschechoslowakei marschierte die Ungarische Armee in die sog. Karpato-Ukraine ein. Im zweiten Wiener Schiedsspruch am 30. August 1940, bekam das Land Nord-Transsylvanien von Rumänien zurück. Doch nun wollte Hitler eine Gegenleistung für diese Gebiete bekommen. Er verlangte von der Ungarischen Führung am Krieg gegen Jugoslawien teilzunehmen. Trotz bedenken stimmte die Führung dem zu (nachdem der Ministerpräsident Selbstmord beging) und griff am 11. 4. 1941 zusammen mit Deutschland Jugoslawien an. Dafür kam Südungarn, die Batschka wieder nach Ungarn zurück. Dummerweise verpflichtete sich das Land mit dem Krieg gegen Jugoslawien nun zu sehr auf der Seite der Achsenmächte. Es gab kein Zurück mehr.

Der Ausgang des zweiten Weltkrieges ist allgemein bekannt. Alle Gebiete, die Ungarn zurückbekommen hat, auch die aus den Wiener Schiedssprüchen, die eigentlich keine "Beute" waren, sondern rechtmäßig dem Staatsgebiet z ugesprochen waren, gingen wieder verloren. Es kam noch schlimmer. Die siegreiche Rote Armee blieb in Ungarn und erzwang eine kommunistische Regierung, die nun anfing das Land völlig zu ruinieren.

Am
23. Oktober 1956 brach das erste Mal auf der Welt eine bewaffnete Revolution gegen das kommunistische Regime und die Russische Besatzungsmacht aus. Sie wurde bis zum 4. November von den Russischen Truppen blutig niedergeschlagen. Tausende starben, Hunderttausende flüchteten Richtung Westen.

Dennoch konnte sich die kommunistische Führung nicht sehr lange an der Macht behaupten. Ende der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts wurde das Regime friedlich gestürzt, die Russischen Truppen verließen das Land. Die Menschen wurden endlich frei. Endlich bot sich auch die Gelegenheit die Frage der Ungarischen Minderheiten in den angrenzenden Staaten zu regeln, nachdem die Belange dieser Menschen in den Jahren der kommunistischen Diktatur ignoriert wurden.
1999 wurde Ungarn NATO-Mitglied. Nie wieder würde das Land mehr von Außen angegriffen werden.

Seit dem
1. Mai 2004 gehört Ungarn, zusammen mit 10 weiteren Ost- und Mitteleuropäischen Staaten, nun auch der Europäischen Union an.